Die Digital Audio Workstation ist das Programm, in dem aufgenommen, arrangiert, gemischt und gemastert wird — und zugleich der Wirt für alle Plugins. Sie ist damit die eine Entscheidung, die alle weiteren einrahmt. Gleichzeitig ist sie die am wenigsten dringende: fast alles, was sie kann, kann jede andere auch.
Die drei Fragen, die wirklich etwas entscheiden
Auf welchem Betriebssystem? Logic Pro gibt es ausschließlich für macOS. Einige Programme laufen unter Linux, die meisten nicht. Wer den Rechner wechseln könnte, sollte das vorher wissen.
Mit wem zusammen? Wer Projekte mit anderen austauscht, spart sich viel, wenn alle dasselbe Programm benutzen. In Studios ist das oft Pro Tools — nicht weil es das beste wäre, sondern weil es dort steht.
Wofür? Für lineares Aufnehmen und Arrangieren eignet sich fast jedes Programm. Für Live-Performance und loop-basiertes Arbeiten hat Ableton Live eine eigene Ansicht, die kein anderes Programm so hat. Für Notensatz ist eine DAW ohnehin das falsche Werkzeug.
Was nicht entscheidet
Die Klangqualität. Zwei DAWs, die dasselbe Projekt mit denselben Plugins abspielen, klingen gleich. Das ist seit Jahren gemessen und wird trotzdem jährlich neu diskutiert.
Die Zahl der mitgelieferten Instrumente. Sie ist als Startpaket angenehm und nach einem halben Jahr nebensächlich, weil man ohnehin hinzukauft, was fehlt.
Der Preis ist kein Hindernis
Von den 68 DAWs in diesem Katalog sind 43 kostenlos und weitere 5 quelloffen. Nur 13 kosten einmalig Geld, 7 laufen im Abo.
Kostenlose Programme sind dabei keine Übungsversionen: Cakewalk by BandLab und Tracktion Waveform Free sind vollwertige Arbeitsumgebungen, Ardour, LMMS und Zrythm sind quelloffen und aktiv gepflegt. Wer anfangen will, braucht dafür kein Geld.
Ein praktischer Rat
Nimm eine kostenlose DAW und arbeite drei Projekte damit durch. Danach weißt du, was dich stört — und das ist die einzige brauchbare Grundlage für einen Wechsel. Vorher zu wechseln heißt, ein Programm gegen ein anderes zu tauschen, dessen Eigenheiten man ebenso wenig kennt.
Und ein Hinweis, der oft zu spät kommt: ein Projekt lässt sich nicht von einer DAW in eine andere übernehmen. Was übertragbar ist, sind Audiodateien und MIDI — Automation, Plugin-Einstellungen und Routing bleiben zurück. Je später der Wechsel, desto teurer.